Offener Brief
der pädagogischen Fachkräfte und dem technischen Personal der Kita Pfiffikus in Ichtershausen

Sehr geehrte Eltern,

seit einigen Tagen verfolgen wir die Äußerungen, die über verschiedene mediale Kanäle über unsere Einrichtung gemacht werden und sind darüber sehr betroffen.

Als erstes möchten wir zum Ausdruck bringen, dass wir für alle Seiten, die betroffenen Eltern, unserem Arbeitgeber und Träger und allen Beteiligten großes Verständnis haben. Diese Zeit ist für alle Seiten eine enorme Herausforderung.

Ein Großteil der Eltern hat sich sehr gut mit den Herausforderungen der letzten Wochen arrangiert. Für ihre Geduld und ihr Durchhaltevermögen möchten wir uns bedanken und hoffen weiterhin auf einen lösungsorientierten und konstruktiven Umgang miteinander.
Nur im Miteinander können wir die kommende Zeit bewältigen.

Wir sind auch unserem Träger äußerst dankbar, dass er nach geeigneten Betreuungsmöglichkeiten für alle Kinder der Kita sucht und dabei vor allem die Erfüllung der Belange und Bedürfnisse der Kinder zu seiner Priorität gemacht hat.
Auch in Pandemiezeiten hat jedes Kind ein Recht auf Bildung und Betreuung.

Die Umsetzung unseres offenen Konzeptes ist unter den geforderten Maßnahmen des eingeschränkten Regelbetriebs (Rechtsgrundlage dafür ist § 7 der Thüringer SARS-CoV-2 Maßnahmenfortentwicklungsverordnung) stark eingeschränkt.

Dies stellt aus unserer Sicht einen Rückschritt dar, welcher unseren Kindern die bekannten und notwendigen Strukturen nimmt, in denen Partizipation und Demokratie einen hohen Stellenwert einnehmen.
Gleichzeitig bedeutet es, für Kinder, pädagogische Fachkräfte und Eltern aus und durch Krisenzeiten lernen.

Sicher gibt es in Zeiten dieser Pandemie keine Lösung, die alle Eltern und Beteiligten zu 100% zufrieden stellt, doch wir sind uns sicher, dass unser Träger alles in seiner Macht stehende unternimmt.

Wir, die Pädagogen, sind genauso daran interessiert, wieder einen normalen Regelbetrieb auf zu nehmen, aber die Bildung und Betreuung der Kinder unter den Vorgaben der Hygienevorschriften werden erheblich beeinflusst und erschweren unseren Bildungsauftrag. Wir setzen trotzdem Tag für Tag unsere Gesundheit aufs Spiel, damit Eltern wieder arbeiten gehen können. Auch wir sind Eltern und müssen mit eingeschränkten Öffnungszeiten und Wechselmodellen der Einrichtungen unser Leben organisieren.
Wir suchen nach kreativen Lösungen, stellen uns den Herausforderungen und ertragen die negativen Äußerungen und Aktionen (Facebook, Zeitung) einiger Eltern. Partnerschaftliche Zusammenarbeit verstehen wir anders.

Trotz allem begegnen wir Ihren Kindern und Ihnen jeden Tag mit einem Lächeln.
Bei der Umsetzung der möglichen Betreuungsmodelle hat unser Träger enorme Auflagen in Bezug auf Hygienemaßnahmen zu erfüllen, welche durch uns Pädagogen und dem technischen Personal zusätzlich im Alltag umgesetzt werden müssen.

Je mehr Kinder gleichzeitig die Einrichtung besuchen, umso höher wird der Aufwand der nötigen hygienischen Maßnahmen, Abstandsregelungen und Aufsichtspflicht sein, was aber nur durch den Einsatz von mehr Personal abzudecken ist, um die pädagogische Arbeit zu gewährleisten.
Wir unterstützen die Entscheidung unseres Trägers, weil es aus unserer Sicht die beste Lösung ist, damit unsere Arbeit unter den erschwerten Bedingungen möglich ist und er darum bemüht ist, uns pädagogischen Fachkräfte und die Kinder zu schützen.
So kann in dem gewählten Modell auch im plötzlichen Krankheitsfall eines Pädagogen vorerst eine ausreichende Betreuung gewährleistet werden.

Die Einhaltung der notwendigen Hygienemaßnahmen geht zu Lasten der uns anvertrauten Kinder und bringt erhebliche Einbußen der Qualität bei der Umsetzung unseres Bildungsauftrags mit sich.

Wir haben nicht nur einen Betreuungs- sondern vor allem einen Bildungsauftrag.

Eins jedoch, und es wird Zeit dass dies einmal gesagt wird, kommt bei dieser Diskussion zu kurz und erhält nicht die verdiente Beachtung.

Hinter jedem Pädagogen steht ein Mensch, eine Mutter, ein Vater, mit Kindern oder auch zu pflegenden Angehörigen! Wir möchten als Mensch gesehen werden, denn auch uns wurde ebenso der Alltag genommen, wie allen anderen.
Jeder einzelne von uns hat privat als auch beruflich einige Hürden zu überwinden.

Wir stehen Tag täglich unseren Mann, an vorderster Front, direkt am Kind ohne Maske, zur Aufrechterhaltung der Bindung und Zwischenmenschlichkeit.
Wir sitzen weder hinter Kunststoffscheiben, noch können wir einen Mindestabstand einhalten.

Wie können wir weinende Kinder trösten, wenn unsere Gesichter und unser Lächeln hinter einer Maske verdeckt sind.

Wir sind die einzige Berufsgruppe, die so schutzlos den Bedingungen ausgesetzt ist und dabei trotz allem jederzeit allen Bedürfnissen und allen beteiligten Seiten gerecht werden muss.

Nur wenigen Menschen ist unsere aufopferungsvolle Betreuung in dieser besonderen Zeit einen Dank wert.

Dies alles hinterlässt Spuren bei uns. Wir haben das Gefühl, dass einige Eltern uns mit unseren Problemen nicht nur alleine lassen, sondern uns anstatt zu unterstützen, zusätzlich Steine in den Weg legen. Wir fühlen uns missverstanden und teilweise ausgenutzt. Uns ist es ein Bedürfnis, dass unsere pädagogische Arbeit als wertvoll und notwendig verstanden wird und bleibt.
Wir haben Verständnis für die Situation unserer Eltern. Dennoch rechtfertigt diese nicht, wie einige Eltern ihre Forderungen kund tun, die Art und Weise, wie mit uns umgegangen wird. Diese Eltern vermitteln uns das Gefühl, dass sie unsere Arbeit nicht wertschätzen.

Sie nehmen uns nicht als Mutter, Vater und Mensch im selben Boot wahr.

Wir stellen laut und offen die Frage, kann man bei dem offenbar fehlenden Vertrauen und geringer Wertschätzung ein partnerschaftliches Zusammenarbeiten noch aufrecht erhalten?

Wer sieht unsere Ängste? Wir sind Eltern, die ebenfalls vor großen Herausforderungen stehen?

“Wie leiste ich als Pädagogin die Aufgabe der Doppelbelastung, wenn ich ein schulpflichtiges Kind habe, welches am Tag 7 Stunden

Home Schooling absolvieren muss?“
“Was passiert, wenn ich mich in der Kita mit dem Virus infiziere?“

“Wie wird damit umgegangen, wenn ein Verdachtsfall in der Kita existiert, wie werde ich als Person aus datenschutzrechtlicher Sicht geschützt?“


“ Kann die Betreuung aufrecht erhalten werden in der Urlaubszeit oder muss ich damit rechnen, dass ich meinen Urlaub kurzfristig verlegen muss?“


“Wie wird das Arbeitsschutzgesetz eingehalten, wie sollen die Pausen geregelt werden, wenn in jeder Gruppe nur ein/e Pädagogin/e zur Verfügung steht?“


“Wie gehe ich mit dem derzeitigen Unmut und Facebookaktionen einzelner Eltern um?“

“Besteht kein Vertrauen in unsere pädagogische Arbeit?“


“Warum werden in einzelnen Fällen Kritikpunkte sehr pauschal und drastisch geäußert?“

Wir würden uns freuen, wenn wir in den Austausch mit einbezogen werden, da wir letztendlich die Umsetzung durchführen werden.
Wir benötigen ein konstruktives, ehrliches Miteinander, um die bestehende Situation gemeinsam zu meistern.
Keiner Seite ist geholfen, wenn wir nicht gemeinsam nach Lösungen suchen und diese gemeinsam umsetzen.

Das Team der Kita Pfiffikus